Donnerstag, 23. Mai 2013

Nikolaushaus: Post aus Afrika


Der Geist des Herrn erfüllt den Erdkreis.
In ihm hat alles Bestand.
Nichts bleibt verborgen vor ihm. Halleluja. (Weisheit 1,7)

"Liebe Freunde und Unterstützer des Nikolaushauses!

Viel ist wieder passiert in den 50 Tagen zwischen Ostern und Pfingsten. Innocent und Elliot sind im April zu uns gekommen. Somit haben wir nun 17 Kinder. 

Innocent
Elliot

Innocent wird bald 3 Jahre alt. Er hat eine zerebrale Bewegungsstörung und spricht nicht. Elliot ist fast 6 Jahre alt. Sie hat eine geistige Behinderung. Ihr einziger Satz in der lokalen Sprache Kihaya lautet: „Mama, mach mir Pfannkuchen.“ Ansonsten lutscht sie mit großer Hingabe abwechselnd mal am rechten, mal am linken Daumen. Anfänglich haben beide Kinder viel geweint. Wie sollen sie auch sonst ausdrücken, dass der Umzug in eine völlig neue Umgebung ein Schock ist. Inzwischen haben sie sich aber an das laute Treiben im Nikolaushaus gewöhnt, lachen viel und sind sehr liebenswert. Elliot weint nur noch, wenn sie gewaschen wird, zur Toilette soll oder die Zähne putzen muss… Dinge, die sie offensichtlich bisher noch nicht kannte.

Wir befinden uns gerade in der Regenzeit. Das Gute ist, dass sowohl unser Brunnen, als auch unsere Regenwassertanks randvoll sind. Der Nachteil ist, dass in den letzten zwei Wochen etliche unserer Kinder an Malaria und Erkältung erkrankt sind. Ich muss aber hinzufügen, dass Malaria hier so normal ist, wie in Deutschland eine Grippe. Jedes fiebernde Kind lassen wir auf Malaria testen und dann entsprechend mit Tabletten behandeln. Lebensbedrohlich ist Malaria nicht, wenn sie rechtzeitig behandelt wird. Sobald das Fieber gefallen ist, springen die Kinder wieder herum. Malaria gehört schlicht zum Alltag in Afrika.

Viele Unterstützer des Nikolaushauses haben besonderen Anteil an Asimwe genommen. Asimwe ist 13 Jahre alt und hat eine genetisch bedingte Hauterkrankung, die ihren gesamten Körper betrifft, z.T. schmerzhaft ist und sie sehr entstellt. Asimwes Haut ist nun dreimal von Dermatologen in Tansania, Deutschland und in den USA untersucht worden und ich hatte ihr letztes Jahr Medikamente aus Deutschland besorgt. Nun haben wir leider die traurige Nachricht erfahren, dass ihre Krankheit so selten ist, dass es kein Medikament für sie gibt, das ihr effektiv hilft, sondern bestenfalls eine geringe Linderung bringt. Eine Heilung ist medizinisch gesehen nicht möglich. Diese Nachricht hat uns sehr getroffen.

In meinem Osterbrief hatte ich erwähnt, dass wir vor Anschlägen auf christliche Kirchen gewarnt wurden. Unser Osterfest war verregnet, aber landesweit blieb alles friedlich. Doch leider wurde am 5. Mai eine Bombe bei einem katholischen Gottesdienst in Arusha (nahe dem Berg Kilimanjaro) geworfen und 3 Menschen kamen dabei ums Leben.
Bei dem Gottesdienst handelte es sich um die Eröffnung einer neuen Gemeinde. Der Nunzio (geistlicher Vertreter aus Rom), Bischöfe, mehr als 40 Priester, über 100 Ordensleute und mehrere hundert Gläubige waren anwesend. Die Bombe explodierte während der Eingangsprozession. Die Ähnlichkeit zu dem Bombenanschlag in Boston ist verblüffend, nur machte der Anschlag in Tansania kaum internationale Schlagzeilen (s. Artikel:
Seit dem vergangenen Jahr häufen sich die Spannungen zwischen Muslimen und Christen. Wie so oft trifft das nur auf einige wenige Menschen in der Bevölkerung zu. In der Regel kommen Menschen verschiedener Religionszugehörigkeiten in Tansania gut miteinander aus.
Passend zum Geburtstag der Kirche kam uns am Freitag der neue Bischof Desiderius Rwoma zum ersten Mal in Kemondo und schließlich auch im Nikolaushaus besuchen. Zu meiner Überraschung wollte er in unserem „Bajaj“ mitfahren. Das Bajaj ist ein Motorrad aus Indien mit drei Rädern und einer Sitzbank hinten. Ich nutze es für die vielen Fahrten innerhalb Kemondos, um Sprit zu sparen (s. Fotos im Anhang).


St. Nikolaus-Express

Seit der Ankunft des neuen Bischofs von Bukoba erleben wir viele Veränderungen. Sehr viele Priester sind versetzt worden. So mussten wir nun auch Abschied nehmen von Father Vedastus, der 17 Jahre lang das Formationszentrum des Bistums in Kemondo geleitet hat und uns ein guter Freund und Begleiter war. Zu unserer Freude wurde er „nur“ in die Hauptgemeinde Kagondo versetzt, zu der wir in Kemondo auch gehören. Sein Nachfolger Father Justus ist relativ jung und sehr motiviert und engagiert. Er hat uns bereits im Nikolaushaus besucht und versprochen, bald mit den Seminaristen wiederzukommen und uns bei der Feldarbeit zu helfen! Darüber sind wir sehr erfreut. Das Foto am Briefbeginn zeigt unsere tanzenden Kinder, die Father Vedastus verabschieden. 

Verabschiedung von Father Vedastus

Die Kinder hatten zu diesem Anlass gemeinsam mit den Betreuerinnen ein Lied gedichtet und einen Tanz einstudiert, was sie bei der Abschiedsfeier vorführten. Ich war sehr stolz auf unsere Kinder!

Wir alle wünschen Ihnen den Heiligen Geist des Pfingstfestes,

Stefanie Köster und die Kinder und Betreuerinnen des Nikolaushauses Kemondo"

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