Donnerstag, 16. April 2015

Ostergrüße aus dem Nikolaushaus !

Liebe Freunde und Unterstützer des Nikolaushauses,
herzliche Ostergrüße aus dem Nikolaushaus!


Beim Schreiben dieses Osterbriefes habe ich nach den Osterbriefen der letzten Jahre gesucht und musste spontan lachen, als ich auf den Osterbrief 2011 stieß und Bilder sah, wo nur das halbe Nikolaushaus
ein Dach hat. Die ersten Nikolauskinder lebten damals zum Teil in einem Krankenhaus und zum Teil bei mir. Inzwischen ist unser Haus angebaut und mehrfach renoviert und repariert worden. 25 Kinder,
viele Mitarbeiterinnen und Praktikantinnen bevölkern es.

Ashraf
Bonifas

Im Januar ist unsere Familie wieder um vier Kinder gewachsen. Der Anlass ist allerdings sehr traurig. Am Montag, den 12. Januar bekam ich einen Anruf. Am Telefon verstand ich, dass ein behindertes Kind, das wir seit vier Jahren jeden Samstag in der Outpatient Clinic (Ambulanz) behandeln, verstorben sei. Ich war geschockt, denn ich hatte das Kind zwei Tage zuvor noch gesehen. Die Familie wohnt in der Nachbarschaft und so fuhr ich mit dem Rad vorbei, um mein Beileid auszudrücken. Doch ich fand das Kind spielend vor ... Stattdessen lag die Mutter des Kindes aufgebahrt in der Lehmhütte! Was war passiert? Die Mutter hatte Epilepsie. Wir hatten sie und ihren Sohn wöchentlich mit Antiepileptika versorgt. Doch vermutlich hatte die Frau die Medikamente nicht regelmäßig genommen. Sie wohnte in einem Fischerdorf direkt am See. Morgens beim Baden hatte sie einen Anfall und ertrank. Wie ich später erfuhr, hatte sie sehr häufig Anfälle, war bis dahin aber immer rechtzeitig gefunden worden. Letztes Jahr war sie bei einem Anfall in die Kochstelle gefallen und hatte sich schwere Verbrennungen zugezogen. Aisha, so hieß die erst 24-jährige Mutter, hinterlässt nun drei Kinder: Ashraf (7): Er hat einen Hydrocephalus (Wasserkopf), eine cerebrale Bewegungsstörung, Epilepsie, ist blind und geistig behindert. Und Bonifans kam im Oktober 2014 zur Welt. Ashrafs Vater ist „hayupo” (abwesend, was vieles heißen kann). Der Vater von Irene und Bonifans ist 60 Jahre alt und nicht in der Lage, sich um ein Kleinkind und einen Säugling zu kümmern. Den kleinen Bonifans nahmen wir sofort mit. Wir brachten ihn in ein Waisenhaus der evangelischen Kirche, das Kinder von 0 bis 2 Jahren aufnimmt und sehr gut versorgt. Ashraf und Irene kamen nach der Beerdigung zu uns. In den ersten Tagen lief Irene verloren durch das Nikolaushaus und suchte ihre Mutter. Es war herzzerreißend mitanzusehen.

Und den kleinen Bonifans besuchen wir regelmäßig. Er entwickelt sich sehr gut. Voraussichtlich wird er später zu uns kommen. Und schließlich kamen knapp zwei Wochen nach Ashraf und Irene noch Kulwa und Dotto zu uns. Kulwa und Dotto sind Zwillinge – alle Zwillinge in Tansania heißen Kulwa (der Erstgeborene) und Dotto (der Zweite)! Die beiden Jungen sind 12 Jahre alt und leider HIV-positiv. Die Mutter starb, als sie noch klein waren, der Vater verstarb vor 4 Jahren. Seitdem lebten die Kinder bei ihren drei und sechs Jahre älteren Schwestern. Die Älteste war mit der Aufgabe, für drei jüngere Geschwister zu sorgen, überfordert. Kulwa und Dotto werden zwar seit ihrem Kleinkindalter kostenlos medizinisch behandelt, doch können die Medikamente gegen die HIV-Infektion nur effektiv sein, wenn die Kinder auch gut ernährt werden. Irene (ausgesprochen Eileen) ist zwei Jahre alt.

Chiara und Irene
Sie spielte fröhlich neben der toten Mutter, weil sie dachte, die Mutter schliefe. Erst nach der Beerdigung fing sie an, ihre Mutter zu suchen.
Inzwischen sind 3 Monate vergangen und die Kinder sind schon längst nicht mehr neu und fremd bei uns. Ashraf blüht unter der guten Versorgung auf. Er hat einen Rollstuhl bekommen, lacht vor Freude, wenn er Musik und Radio hört oder man mit ihm spricht. Irene hat sich an ihre 24 neuen Geschwister gewöhnt. Besonders Chiara (3), bisher unsere Jüngste, freut sich, endlich eine große Schwester sein zu können.

Auch die Zwillinge haben sich schnell bei uns eingewöhnt. Sie gehen endlich wieder zur Schule, wenn auch erst in die zweite Klasse, weil sie sehr viel Unterricht verpasst haben. Unsere großen Jungen freuen sich über die Verstärkung. Wir haben jetzt sechs Jungen im Alter von 12 Jahren, die alle in den nächsten Wochen und Monaten 13 werden und sich plötzlich von Kindern zu Teenagern entwickeln. Zusammen mit den drei Mädchen im Teenageralter haben wir nun 9 Jugendliche im Haus! Sieben von ihnen besuchen den Firmunterricht.

Mit 25 Kindern ist unsere Aufnahmekapazität so ziemlich erreicht, obwohl wir sicherlich auch in Zukunft immer noch für das ein oder andere Kind weiter zusammenrücken werden ...
Mit stolz können wir sagen, dass in unserem Haus „Inklusion”, von der in Deutschland so viel geredet wird, gelebt wird. Die Kinder lernen, sich gegenseitig so zu akzeptieren, wie sie sind und einander wegen der individuellen Charaktereigenschaften zu mögen und Freundschaften zu schließen, aber nicht nach Fähigkeiten und Leistungen zu urteilen.

Seit Eröffnung des Nikolaushauses arbeiten zwei Franziskanerschwestern als Betreuerinnen im Nikolaushaus. Bisher haben sie mit den Kindern und anderen Betreuerinnen im Nikolaushaus gelebt. Doch nun bat mich die Ordensleitung, den Schwestern ein eigenes Haus auf dem Gelände des Nikolaushauses zu bauen. Die Bitte ist verständlich, doch die Finanzierung stellte ein Problem dar, bis die Ordensleitung das nötige Geld für den Bau dieses Hauses zur Verfügung stellte. Nun bauen wir seit Mitte März dieses Haus.

Ein weiterer Meilenstein ist der Bau eines zweiten Brunnens gewesen. Wir haben einen Brunnen, der mit der Hand ausgehoben wurde und nicht tief genug ist. In der Trockenzeit ist dieser Brunnen ohne Wasser und unsere Regenwasservorräte sind leider Wochen vor Einsatz der nächsten Regenzeit aufgebraucht. Firmen, die professionell Brunnen mit einem Bohrer bohren, gibt es nur wenige in Tansania und die Kosten eines solchen Brunnens sind sehr hoch. Der neue Brunnen ist nun 50 m tief und wir hoffen sehr, dass er uns durch die kommenden Trockenzeiten hindurchhelfen wird!

Annajoyce

Den Osterbrief möchte ich mit der guten Nachricht über Annajoyce schließen. Annajoyce lebt seit mehr als drei Jahren bei uns. Sie ist 9 Jahre alt und geht in die erste Klasse. Sie hat Spina Bifida (offener Rücken), was eine angeborene Querschnittslähmung ist. Zum Glück kann Annajoyce kurze Distanzen ohne Gehhilfe laufen, doch leider kann sie ihren Harn und Stuhl nicht kontrollieren, was ihre Lebensqualität sehr einschränkt. Sie hat gelernt, mit ihrer Behinderung zu leben und ist sehr selbstständig. Anna Lea und Katharina, zwei ehemalige Praktikantinnen, sowie Anna Leas Vater haben sich in den letzten Monaten sehr für Annajoyce engagiert und einen Arzt ausfindig gemacht, der bereit ist, Annajoyce kostenlos in Deutschland zu behandeln. Der Aufwand, Annajoyce nach Deutschland zu bringen, ist enorm. Allein für den Passantrag mussten wir sechs Dokumente vorlegen, für den Visumsantrag sind elf Dokumente und eine Flugreise von Bukoba nach Dar es Salaam zur deutschen Botschaft notwendig. Hinzu kommen die Reisekosten nach Deutschland für Annajoyce und zwei Begleitpersonen. Geplant ist, dass Annajoyce im August und September behandelt wird. Ich werde sie nach Deutschland bringen und ein paar Tage bei ihr bleiben. Dann wird Annajoyce bei Anna Leas Familie bleiben und Anna Lea wird sie Anfang Oktober nach Bukoba zurückbegleiten.

Im Anhang an diesen Osterbrief finden Sie einen Infoflyer. Am liebsten würde ich nach und nach alle Kinder aus dem Nikolaushaus zur Behandlung nach Deutschland bringen, doch dies ist leider nicht realistisch, besonders wenn man den hohen finanziellen und logistischen Aufwand bedenkt. Umso mehr freuen wir uns, dass Annajoyce diese Chance bekommen wird. Wir erhoffen uns sehr viel von der Behandlung. Für jede Spende sind wir sehr dankbar!

Ich selbst werde im Juni (30.5.-10.7.) mit Aisha und Anita nach Deutschland kommen. Wir freuen uns schon sehr und werden sicher viel berichten und Fotos zeigen können.

Unsere "Firmlinge"

Unsere Schulkinder haben jetzt zwei Wochen Osterferien. Die gesamte Karwoche hindurch haben sie Halleluja und „Atafufuka” (Er wird auferstehen) gesungen, weil sie für den Ostergottesdienst geprobt haben, bei dem sie singen und tanzen werden.






Ihnen allen wünschen wir ein gesegnetes Osterfest,
Stefanie Köster und die Kinder, Mitarbeiterinnen und Praktikantinnen des Nikolaushauses

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